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Sonntag, 19. Mai 2013

Vor der Haustür

Ein Mittwochabend gehe ich so um halb Neun noch einmal auf die Straße: Wir haben Lust auf Schokolade und Colalight. Schnell gehe ich also zum Chino, dem kleinen Supermarkt um die Ecke und besorge die Fressware für einen gemütlichen Herbstabend in der Wohnung. 6 Grad sind es an diesem Tag. Als ich mit den Einkaufstüten zurückkomme, starre ich überrascht auf zwei Jungs vor unserer Haustür auf der Straße. Sie beladen gerade einen Wagen mit Pappe, Karton und Papier. Gustavo* und Vevo*, zwei Jugendliche aus La Paloma. Alle drei sind wir etwas überrascht, uns hier zu treffen. Kurze Begrüßung, beso auf die Wange. Dann gehe ich in die Wohnung hinauf. 
Am nächsten Tag erzähle ich Gise und Eve davon. "Ach wirklich ja?", sagen sie. "Denen ist das unangenehm, wenn man sie dabei so sieht."  "Tja, mir auch", sage ich. Wenn mir vor Augen geführt wird, dass die Jugendlichen aus meinem Projekt ein paar Pesos für die Familie verdienen, indem sie das Altpapier der deutschen Freiwilligen verkaufen, füge ich im Gedanken hinzu. Aber sie hören mir nicht mehr richtig zu. Das Gesprächsthema hat gewechselt.   


Dieses hier ist eine kleine Dokumentation über die Arbeit der Cartoneros in Buenos Aires.

* die Namen mit Sternchen habe ich geändert...

Mittwoch, 20. März 2013

Herbstanfang

Der Sommer ist vorbei, die Kinder gehen wieder zur Schule - wenn nicht gerade Lehrerstreik ist.
"Herzlich Willkommen - Dienstag, 19. März 2013" und eine Illustration des Wetters
Und wir arbeiten mit den Kindern wieder in den salones. Einige der kleinen chikis sind zu der Gruppe der Größeren gewchselt. Und auch für die educadores gibt es eine Veränderung: Gise und Eve haben die Plätze getauscht. Meine letzten 4 1/2 Monate werde ich Gise mit den Kleinen unterstützen. 6 Kinder sind in der Gruppe. Gestern haben wir mit den chikis den Alltag angefangen: Jedes Mal muss eines der Kinder am Anfang des Tages den heutigen Wochentag und das Datum aufschreiben. Und ganz wichtig: wir bereiten die Wahl vor. Die große Wahl der Namen für die Gruppen...

Samstag, 13. Oktober 2012

34h-Trip und Tecnópolis

Es sind viele Dinge passiert hier bei mir in den letzten Wochen...
Für die Menschen mit Reisefieber, ein Klick hier.
Und für alle, die ein bisschen mehr von einem Park lesen wollen, in dem es um die Bildung des Volkes geht: um Gokartfahren mit dem Innenministerium, um vom Kinderkanal des Staatsfernsehens betreute Spielplätze, ein Klick hier.

Dienstag, 11. September 2012

Ein Tag für die Lehrer


Einige Schulbücher meiner Gastschwestern
Meine Gastschwestern müssen heute nicht in die Schule. Meine Gastmutter – eine Lehrerin – muss nicht in die Schule. Von Kollegen und Schülern hat sie kleine Geschenke bekommen, gestern schon. Und ich, ich muss heute auch nicht arbeiten. Heute ist der Dia del Maestro – Der Tag des Lehrers. In La Paloma, der Dia del „educador.
Ich arbeite erst seit  2 Wochen in der casita. Mit dem castellano hapert es noch. Die chiquis nehmen mich noch nicht ganz für voll. So richtig nützlich fühle ich mich noch nicht.
Doch eines kann ich sagen: Ich bin glücklich. La Paloma macht mir jeden Tag gute Laune.
Ich feiere den Dia del „educador“!

Donnerstag, 6. September 2012

Bumm - Bumm



Ein Gespräch mit Eve beim Aufräumen: Draußen spielen ein educador und ein paar jóvencitos auf der bombo. Bumm – bumm – bumm - … . 
„Das ist Murga.“ Sagt Eve. „Kennst du das?“ „Ja, kenne ich schon. Wir hatten einen Workshop während der capacitación.“ „Habt ihr getanzt?“ „Ja.“ Ich lache. „Das war ziemlich lustig…“ Der Rhythmus der bombo vibriert in meinem Bauch.
„Habt ihr auch über die Geschichte gesprochen?“ „Ja“. Und ich denke an die Sklaven: „Für mich ist das total interessant: In Europa denken alle Menschen: Argentinien – Tanz: Tango. Aber keiner kennt Murga. Und hier gibt es so viel Murga. Bisher habe ich so gut wie keinen Tango gesehen. Nur in La Boca. Als sie für die Touristen getanzt haben.“
„Ja. Murga wird viel in den barrios getanzt.“ Von den "einfachen" Leuten.
Und ganz viel von der Unterschicht.

Mittwoch, 29. August 2012

Auf nach La Paloma!


10.00 Uhr. Über die Bahngleise. 1, 2 cuadras. Rechts. 1 cuadra. Auf den Bus warten. Er kommt: 343. Ich strecke den Arm aus. Quiiietsch. Er hält. Ich steige ein, sage: „Liniers“ zum Fahrer. Halte meine sube an den kleinen Kartenleser. Piiiiep. 
Einer der vielen colectivos in Buenos Aires
Ich stolpere durch den Bus. Der colectivo holpert los und ich falle hinten auf einen Sitz. Es geht durch Lourdes, San Martin und weiter. Bald muss ich aussteigen. Ich schaue durchs Fenster. Alles sieht gleich aus. Wo sind die Bahnschienen? Gehupe. Slalomfahren. Plötzlich: Schienen. „!?Permiso!?“ Ich drängele zur Tür, versuche dabei das Gleichgewicht zu halten. Drücke auf den Halteknopf. Die Türen öffnen sich. Der Bus hält. Ich springe hinaus. Nun die Gleise überqueren. Nicht über die Schienen stolpern. Haltestelle suchen. Da! Der Laternenpfahl. Ein Zettel klebt drauf: 172. Warten. 172 kommt. Der über Barrio Marina? Ja. Ich halte meinen Arm hinaus. Steige ein. „Aribeños.“ Sage ich. „!?Aribeños!?“ Murmelt der Fahrer. Egal. Ich halte die sube an den Kartenleser. Der colectivo holpert durch Ciudadela. Holpert hinaus. Wir biegen auf die Avenida Camino de Cintura. Ich drücke auf den Halteknopf. Die Türen gehen auf. Der Bus hält. Ich springe hinaus. Und stehe am Straßenrand. Etwa 15m breit. Sand. Ich warte bis keine Autos mehr kommen und schaffe es zunächst bis zum Mittelstreifen. Dann ganz hinüber. 2 Minuten Fußweg und ich bin in La Paloma.
!Hola, Cata! besos. Mate? Ja, gerne! Es ist 12.00 Uhr.

Sonntag, 26. August 2012

Tag der Kinder


Heute ist ein besonderer Tag. Heute wird Der Tag des Kindes gefeiert: Día del Niño.
Ein Graffiti in La Paloma: "Es ist erlaubt, Spaß zu haben."
Die Mütter bereiten Spiele vor. Jedes Kind bekommt einen bunten Punkt auf die Hand gemalt. Es gibt die schwarzen, die blauen, die grünen und die roten. Ich begleite zusammen mit Eve die roten. Mit den Kindern gehen wir zu den Spielstationen. Einfache Spiele, die sehr viel Spaß bringen. Eine Strumpfhose auf den Kopf. In der Strumpfhose steckt ein Ball und damit dann Flaschen umwerfen. Kleine Bälle in Plastikbecher hineinwerfen. Eine Spaghetti in den Mund stecken und kleine Nudeln ohne Hilfe der Hände raufstecken. Und zum Schluss: Tanzen. Welche Gruppe tanzt am besten, am kreativsten. Punkte werden vergeben.
Am Ende gibt es keine Sieger und keine Verlierer. Die Kinder bekommen kleine Geschenke. Am Ende werde ich noch einmal in der großen Runde vorgestellt. Ich bin's. Die neue Freiwillige. „?Bailar?“ Tanzen? Werde ich gefragt. Alleine?! Denke ich. „Sí...“
Die Musik geht wieder an. Alle fangen an zu tanzen. Eine junge Frau kommt zu mir. Sie nimmt mich bei der Hand und wir tanzen zusammen.

Donnerstag, 23. August 2012

"! Un aplauso para el asador !"


Wir 59 Freiwilligen sitzen im Keller der Gemeinde in Olivos.
Gemeinsam mit Ricardo, Ayelen, unserer Gastfamilie und unseren Spanischlehrern.
Gefeiert wird das Ende der capacitación und der Anfang unseres voluntariado. In den Raum zieht schon die qualmige Luft der parrilla. Wir gehen hinaus und bestaunen die Fleischmassen. 35kg Rind. Wir machen Fotos, sind einmal ganz die Touristen. Nicht ganz so begeistert sind die Vegetarier und die Veganer unter uns.
Die Zeremonie beginnt. Immer wieder werden Stücke vom Fleisch verteilt. Leckeres, gutes Fleisch. Die erste Runde, die zweite Runde, die dritte Runde. Es hört nicht auf. Wir schlagen uns den Bauch voll.
Dann ruft Ayelen: „!Un aplauso para el asador!“ Einen Applaus für den "Grillmeister". Rubén tritt auf. Alle johlen und klatschen. Und danach feiern wir. Sketche und Songs von uns Freiwilligen werden vorgetragen. Spiele. Und dann wird gesungen. Unsere Spanischlehrer machen Musik, singen Lateinamerikanische Songs. Wir tanzen zu Gitarrenmusik und dem Rhythmus der cajón.