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Dienstag, 4. Dezember 2012

Dezemberträume

Jeden Morgen öffne ich meinen Adventskalender, den mir Resa gemacht hat. Wir sind dabei einen Adventskranz zu basteln und in La Paloma gibt es auch einen Adventskalender. Ich kümmere mich um Weihnachtsgeschenke und Weihnachtskarten. Und in den Geschäften gibt es Weihnachtsdeko zu bestaunen. Sogar Tannenbäume - aus Plastik/Papier versteht sich. Zuhause hören wir die Weihnachtsbäckerei von Rolf Zuckowsky und "Let it Snow". 
"Tannenbäume" in einem Deko-Geschäft
In diesem Moment - 22.30 Uhr - in dem ich das hier schreibe, trage ich Bermudas und ein dünnes labberiges T-Shirt. Ich sitze auf meinem Bett und mir läuft der Schweiß herunter. Buchstäblich. Meine Lippen schmecken salzig.
Nein, das fühlt sich nicht an wie Weihnachten. Der Duft nach Kerzenwachs und Zimt fehlt, die Lebkuchen, der Glühwein, das Schmalzgebäck und die gebrannten Mandeln vom Weihnachtsmarkt, überhaupt Weihnachtsmarkt....und was gäbe ich nicht für ein paar halb erfrorener Finger und von der Kälte wehtuenden Oberschenkel nach einer Tour mit dem Fahrrad durch das trübe, graue Moor 5 Minuten vom deutschen Zuhause weg.
Aber es ist auch so schön alles. Ich habe ein neues Zuhause.

Donnerstag, 6. September 2012

Bumm - Bumm



Ein Gespräch mit Eve beim Aufräumen: Draußen spielen ein educador und ein paar jóvencitos auf der bombo. Bumm – bumm – bumm - … . 
„Das ist Murga.“ Sagt Eve. „Kennst du das?“ „Ja, kenne ich schon. Wir hatten einen Workshop während der capacitación.“ „Habt ihr getanzt?“ „Ja.“ Ich lache. „Das war ziemlich lustig…“ Der Rhythmus der bombo vibriert in meinem Bauch.
„Habt ihr auch über die Geschichte gesprochen?“ „Ja“. Und ich denke an die Sklaven: „Für mich ist das total interessant: In Europa denken alle Menschen: Argentinien – Tanz: Tango. Aber keiner kennt Murga. Und hier gibt es so viel Murga. Bisher habe ich so gut wie keinen Tango gesehen. Nur in La Boca. Als sie für die Touristen getanzt haben.“
„Ja. Murga wird viel in den barrios getanzt.“ Von den "einfachen" Leuten.
Und ganz viel von der Unterschicht.

Mittwoch, 29. August 2012

Auf nach La Paloma!


10.00 Uhr. Über die Bahngleise. 1, 2 cuadras. Rechts. 1 cuadra. Auf den Bus warten. Er kommt: 343. Ich strecke den Arm aus. Quiiietsch. Er hält. Ich steige ein, sage: „Liniers“ zum Fahrer. Halte meine sube an den kleinen Kartenleser. Piiiiep. 
Einer der vielen colectivos in Buenos Aires
Ich stolpere durch den Bus. Der colectivo holpert los und ich falle hinten auf einen Sitz. Es geht durch Lourdes, San Martin und weiter. Bald muss ich aussteigen. Ich schaue durchs Fenster. Alles sieht gleich aus. Wo sind die Bahnschienen? Gehupe. Slalomfahren. Plötzlich: Schienen. „!?Permiso!?“ Ich drängele zur Tür, versuche dabei das Gleichgewicht zu halten. Drücke auf den Halteknopf. Die Türen öffnen sich. Der Bus hält. Ich springe hinaus. Nun die Gleise überqueren. Nicht über die Schienen stolpern. Haltestelle suchen. Da! Der Laternenpfahl. Ein Zettel klebt drauf: 172. Warten. 172 kommt. Der über Barrio Marina? Ja. Ich halte meinen Arm hinaus. Steige ein. „Aribeños.“ Sage ich. „!?Aribeños!?“ Murmelt der Fahrer. Egal. Ich halte die sube an den Kartenleser. Der colectivo holpert durch Ciudadela. Holpert hinaus. Wir biegen auf die Avenida Camino de Cintura. Ich drücke auf den Halteknopf. Die Türen gehen auf. Der Bus hält. Ich springe hinaus. Und stehe am Straßenrand. Etwa 15m breit. Sand. Ich warte bis keine Autos mehr kommen und schaffe es zunächst bis zum Mittelstreifen. Dann ganz hinüber. 2 Minuten Fußweg und ich bin in La Paloma.
!Hola, Cata! besos. Mate? Ja, gerne! Es ist 12.00 Uhr.

Sonntag, 26. August 2012

Tag der Kinder


Heute ist ein besonderer Tag. Heute wird Der Tag des Kindes gefeiert: Día del Niño.
Ein Graffiti in La Paloma: "Es ist erlaubt, Spaß zu haben."
Die Mütter bereiten Spiele vor. Jedes Kind bekommt einen bunten Punkt auf die Hand gemalt. Es gibt die schwarzen, die blauen, die grünen und die roten. Ich begleite zusammen mit Eve die roten. Mit den Kindern gehen wir zu den Spielstationen. Einfache Spiele, die sehr viel Spaß bringen. Eine Strumpfhose auf den Kopf. In der Strumpfhose steckt ein Ball und damit dann Flaschen umwerfen. Kleine Bälle in Plastikbecher hineinwerfen. Eine Spaghetti in den Mund stecken und kleine Nudeln ohne Hilfe der Hände raufstecken. Und zum Schluss: Tanzen. Welche Gruppe tanzt am besten, am kreativsten. Punkte werden vergeben.
Am Ende gibt es keine Sieger und keine Verlierer. Die Kinder bekommen kleine Geschenke. Am Ende werde ich noch einmal in der großen Runde vorgestellt. Ich bin's. Die neue Freiwillige. „?Bailar?“ Tanzen? Werde ich gefragt. Alleine?! Denke ich. „Sí...“
Die Musik geht wieder an. Alle fangen an zu tanzen. Eine junge Frau kommt zu mir. Sie nimmt mich bei der Hand und wir tanzen zusammen.

Donnerstag, 23. August 2012

"! Un aplauso para el asador !"


Wir 59 Freiwilligen sitzen im Keller der Gemeinde in Olivos.
Gemeinsam mit Ricardo, Ayelen, unserer Gastfamilie und unseren Spanischlehrern.
Gefeiert wird das Ende der capacitación und der Anfang unseres voluntariado. In den Raum zieht schon die qualmige Luft der parrilla. Wir gehen hinaus und bestaunen die Fleischmassen. 35kg Rind. Wir machen Fotos, sind einmal ganz die Touristen. Nicht ganz so begeistert sind die Vegetarier und die Veganer unter uns.
Die Zeremonie beginnt. Immer wieder werden Stücke vom Fleisch verteilt. Leckeres, gutes Fleisch. Die erste Runde, die zweite Runde, die dritte Runde. Es hört nicht auf. Wir schlagen uns den Bauch voll.
Dann ruft Ayelen: „!Un aplauso para el asador!“ Einen Applaus für den "Grillmeister". Rubén tritt auf. Alle johlen und klatschen. Und danach feiern wir. Sketche und Songs von uns Freiwilligen werden vorgetragen. Spiele. Und dann wird gesungen. Unsere Spanischlehrer machen Musik, singen Lateinamerikanische Songs. Wir tanzen zu Gitarrenmusik und dem Rhythmus der cajón.

Samstag, 18. August 2012

ESMA - Das leere Haus

Noch wenige Tage und ich werde meine Arbeit in La Paloma beginnen.
Vorher noch eine Guía T (Nahverkehrsplan) kaufen, die Handykarte aufladen, großes asado in der IERP genießen und feiern, die letzten Seminare und Workshops belegen und - den letzten Donnerstag verarbeiten.
Der Donnerstag, den wir in einem leeren Haus verbrachten, der ESMA.
Wenn es dich interessiert, klick hier.

Mittwoch, 15. August 2012

Buenos Aires - 7 Tage und 7 Nächte


Mein erster Blick auf Buenos Aires - aus dem Flugzeug

Hier stürzen alle Eindrücke auf mich ein. Das castellano. Geschichten hören aus der Zeit der Militärdiktatur. Reden, reden, reden – über die Situation heute hier in Argentinien.
Referenten erzählen uns, was in den Projekten von den Freiwilligen erwartet wird. Und von der Geschichte der IERP und des Cono Sur. Wir bereiten uns vor.
Und dann saugen wir diese Stadt in uns auf. Wir sehen die Casa Rosada und Arcángel Gabriel.  Wir besuchen La Boca  - ein Disneyland mit Tango für Touristen. Tagsüber. Nachts ist es zu gefährlich. Wir laufen Slalom auf den Gehwegen, weichen Hundehaufen und Löchern aus. Fliesen fehlen, die einfach kaputt sind. In denen das Regenwasser steht. Wir genießen die Freundlichkeit der Menschen, wenn wir um Hilfe fragen. Wenn wir mit ihnen im colectivo, im Bus, ins Gespräch kommen. Dass sie geduldig den Satz auch 5mal wiederholen in „langsamen“ castellano.
Und wir trinken Mate. Immer und überall. Ich genießen diese Gemeinschaft.
Ich genieße das quilombo – das Chaos. Ich genieße Buenos Aires und Argentinien.

Samstag, 11. August 2012

Clase de Castellano

Ein Samstagmorgen im Spanischkurs: 
Wir hören ein Lied der Band Bersuit Vergarabat. 
Sehr kritisch und sarkastisch und vielleicht ein bisschen zynisch. Wir übersetzen die Vokabeln. Und denken darüber nach und reden.

Das Video ist auch ohne den Text sehr aussagekräftig. Wenn du dich für die Lyrics interessierst: Ich werde nach dem Einführungsseminar noch eine Übersetzung anfertigen können. Einfach Bescheid sagen.

La Argentinidad al Palo

 

 



Donnerstag, 9. August 2012

Arcángel Gabriel und seine Nachbarn

!Hola!
Heute war ein langer anstrengender Tag. Und der war wahnsinnig beeindruckend: Arcángel Gabriel.
Ich will mich bald wieder melden. Jetzt geht es nur noch ins Bett.
Un abrazo

Dienstag, 7. August 2012

Ein Lebenszeichen

Seit gestern Abend bin ich nun da - In Buenos Aires:
Der Landeanflug auf den "Aeropuerto Internacional Ministro Pistarini, Ezeiza" ist schlichtweg atemberaubend. Die Stadt am Rio de la Plata erstreckt sich als Lichtermeer bis zum Horizont. Das Fluzeug setzt auf und wir 4 Freiwilligen denken: Ja. Jetzt sind wir da. In der Stadt, die nun für ein Jahr unser Zuhause ist.
Abgeholt werden ich und Maibrit von Willy. Bei ihm und seiner Familie werden wir mit 3 anderen Freiwilligen (Fränzi, Mara, Nele) die nächsten 2 Wochen wohnen. Ich sitze im Auto und staune. Sehe Straßenschilder mit der Aufschrift "Avenida Eva Peron" und "Buenos Aires". Starre auf herunter gekommene Häuserblöcke. Und auf einen Viehtransporter mit "echten" argentinischen Rindern.
"Da drüben, 5 km in diese Richtung ist "La Paloma"." Sagt Willy. Ich sage "Aha." 5km.
Die neuen Eindrücke stürzen auf mich ein - und irgendwie richtig begreifen, dass ich jetzt hier bin - Das kann ich noch nicht.

Samstag, 4. August 2012

Der Endspurt


Freunde treffen, Impfung, Blogeintrag, Fischbrötchen essen, zu Oma und Opa, Elb-Fähre fahren, zu den anderen Oma und Opa, die letzten Angelegenheiten mit der Versicherung klären, die anderen Freunde treffen, lesen, Fotos von den Lieben zusammen sammeln und ausdrucken, Schwarzbrot mümmeln, sich an das Schulspanisch erinnern, an die Nordsee, den Onkel treffen, Autofahren üben, Käse naschen, die Eltern beruhigen: "Ja, mir geht es gut. Ich habe keine Angst.", Vollmachten ausstellen, Ratschläge der Vorgänger einholen, Olympia gucken, auf den Kiez, Daten vom Computer speichern, sich mit anderen Freiwilligen austauschen, Abschiedsbriefe schreiben, packen. Dann die Nachricht "Du wirst die ersten 2 Wochen in einer Gastfamilie leben." Gastgeschenke besorgen.
Und irgendwie: Alltagsroutine.
Montag geht es los.
 
                                      06.10     HAM  -  HAMBURG
                                      07.15     AMS  -  AMSTERDAM
                                      10.00     AMS  -  AMSTERDAM
                                      19.05     EZE  -  BUENOS AIRES

Sonntag, 29. Juli 2012

Vielen Dank für die Kommentare und die vielen Klicks...

...auch wenn ich nicht jeden Tag etwas poste: Der tägliche Blick in die Statistiken des Blogs wird schon zur Gewohnheit. Genauso wie die „Dauer-Nervösität“, die sich langsam in mir breit macht.
Das gibt’s neues für Euch: Ich stelle euch alle Freiwilligen der Nordkirche vor, die nach Argentinien gehen.
Und: Für die Poesiefans, einen kleinen poetischen Text, der eigentlich für unseren Entsendegottesdienst gedacht war.
Bis in einer Woche!