Mittwoch, 29. Mai 2013

Der Argentinientag

Als ich in Retiro in den colectivo Nummer 100 steige, frage ich: Fahren Sie über die Av. de Mayo?" Verzweifelt sieht mich der Busfahrer an: "Es ist alles gesperrt!" Ich gehe davon aus, dass der Mann es schaffen wird da in der Nähe vorbei zu fahren und steige ein. Eine Weile holpern wir über die Straßen von Buenos Aires. Der Bus ist voll, aber nicht überfüllt. An einer Ampel fängt unser Busfahrer sich an mit einem Busfahrer aus einem Bus neben uns -ebenfalls Nummer 100- zu unterhalten: -"Che, sag mal, wo fahren wir denn jetzt längs?"  -"Weiß nicht, ist alles gesperrt, so wie wir her gefahren sind?" -"Ja, ja, irgendwie bleibt uns ja nicht anderes übrig." Wir holpern weiter. Heute ist der Nationalfeiertag Argentiniens - der 25. Mai. Da sind die Straßen um die Plaza de Mayo alle gesperrt. Auf der Plaza ist ordentlich was los. 
Eine ältere Frau fragt vorsichtig, ob man dann nach Constitución fahren würde. Ja, ja, da käme man schon irgendwie hin. "por lo menos, vamos pasear" Wenigstens machen wir einen kleinen Ausflug.
Als ich den Obelisken durch die Häuserschluchten erblicke, steige ich aus. Und laufe zu Fuß zur Plaza. Ich erreiche sie von der Seite der Casa Rosada aus. Eine riesige Menschenmenge. Dutzende von Cámporaflaggen werden hochgehalten. Viele Emotionen. Begeisterungsstürme als Cristina auftritt. Sie beginnt ihre Rede. Spricht von der Transformación, der Verwandlung, des Landes. Und in meinem Magen macht sich ein ungemütliches Gefühl breit. Das wirkt alles wie im falschen Film.

wenige cuadras von der Plaza de Mayo entfernt: der Obellisk am 25. Mai 2013

Sonntag, 19. Mai 2013

Vor der Haustür

Ein Mittwochabend gehe ich so um halb Neun noch einmal auf die Straße: Wir haben Lust auf Schokolade und Colalight. Schnell gehe ich also zum Chino, dem kleinen Supermarkt um die Ecke und besorge die Fressware für einen gemütlichen Herbstabend in der Wohnung. 6 Grad sind es an diesem Tag. Als ich mit den Einkaufstüten zurückkomme, starre ich überrascht auf zwei Jungs vor unserer Haustür auf der Straße. Sie beladen gerade einen Wagen mit Pappe, Karton und Papier. Gustavo* und Vevo*, zwei Jugendliche aus La Paloma. Alle drei sind wir etwas überrascht, uns hier zu treffen. Kurze Begrüßung, beso auf die Wange. Dann gehe ich in die Wohnung hinauf. 
Am nächsten Tag erzähle ich Gise und Eve davon. "Ach wirklich ja?", sagen sie. "Denen ist das unangenehm, wenn man sie dabei so sieht."  "Tja, mir auch", sage ich. Wenn mir vor Augen geführt wird, dass die Jugendlichen aus meinem Projekt ein paar Pesos für die Familie verdienen, indem sie das Altpapier der deutschen Freiwilligen verkaufen, füge ich im Gedanken hinzu. Aber sie hören mir nicht mehr richtig zu. Das Gesprächsthema hat gewechselt.   


Dieses hier ist eine kleine Dokumentation über die Arbeit der Cartoneros in Buenos Aires.

* die Namen mit Sternchen habe ich geändert...

Freitag, 3. Mai 2013

Regentag

gemütlich im salón währenddessen es draußen in Strömen regnet
Es regnet. Das bedeutet für den Zustand von unbefestigten Straßen: matschig bis überschwemmt. Und das bedeutet für die chic@s, mit denen wir arbeiten: Sie gehen lieber nicht auf die Straße. Das Wasser läuft ja schon fast ins Haus hinein und angemessene Kleidung - vor allem Schuhwerk - ist sowieso nicht vorhanden. Und die colectivos fahren auch nicht richtig, weil die Straßen zum Teil überschwemmt sind. Wir gehen nicht zur Arbeit, nicht zu Schule, nicht nach La Paloma. Heute sind von den ca. sonst 25 Kindern nur 5 da. Alle kommen sie durchnässt an. Wir machen es uns gemütlich, schauen uns einen Film an und trinken am Ende noch eine heiße Milch. Ich bleibe heute noch 2 Stunden länger und mache mit den Jugendlichen Macramé in deren Salón. Dabei trinken wir Mate und mate cocido mit Milch. Wir hören Musik und Katy ist mit meiner Kamera unterwegs. Carlitos ahmt das Lachen ihrer älteren Schwester Brenda nach. "Hihihihihi". Bis wir alle lachen müssen. Wir sprechen über die neue Frisur von Apu. Um halb acht schließlich machen wir uns alle auf den Heimweg. Vorher stehen wir in der warmen Küche und scherzen herum, essen Birnen und Kekse. Keiner hat wirklich Lust vor die Tür zu gehen. Es ist nass, dunkel und kalt.

Freitag, 19. April 2013

Mein Tattoo

Kurz vorm Mittagessen: Gisela und ich begrüßen die Kinder, bereiten die letzten Kleinigkeiten für die Aktivitäten am Nachmittag vor, fragen die Kinder über ihre Erlebnisse seit der Merienda am Vortag bis jetzt aus. Wir versuchen ein bisschen herauszufinden, wie die Kinder so drauf sind und was es später zu essen gibt, wir besprechen uns mit den anderen educadores und trinken Mate in der Küche und versuchen wir eben irgendwie selbst noch ein paar persönliche Worte zu wechseln- alles gleichzeitig, mehr oder weniger.
Candela ist heute eine der Ersten, die erscheint und sie nutzt die Zeit aus, die wir dadurch für sie aufbringen können. Zuerst wird nur etwas gequatscht, dann geben wir ihr was zum ausmalen. Aber Cande mag lieber das Tattoo von Gisela auf ihrer Schulter "ergänzen". Und dann malt sie mir auch was auf den Rücken: Die Farben des Fußballclubs San Lorenzo und sich selbst.

Dienstag, 9. April 2013

Postkarte vom Meer und ein Osterbild

In Argentinien war gerade ein langes Wochenende, Ostern, Gedenktag für die Opfer des Krieges um die Malvinas, Brückentag: 6 Tage kamen da zusammen. 
Grund genug, Buenos Aires noch einmal "chao" zu sagen und noch mehr Ecken in Argentinien kennen zu lernen. Mein Reiseziel war Puerto Madryn, 20h-Busfahrt von der argentinischen Hauptstadt entfernt liegt die Stadt an der Küste Patagoniens. Die Haupteinnahmequelle ist der Tourismus. Hauptattraktion: Die Wale. "Zwischen Juni und Dezember ist es schwierig keine Wale zu sehen. Da liegt man nachts in seinem Bett und hört die Tiere draußen. In dieser Zeit ist alles voll von den Walen."
Meine Reisezeit war März/April. Und die Tiere, die ich sah, waren keine Wale, sondern Pinguine, Orkas und Seeelefanten. 
Wer Lust hat, etwas über meinen Ausflug von den Seeelefanten von Punta Ninfas zu lesen, klick: hier
Wer sich gerne ein Osterfoto aus der Hafenstadt ansehen möchte, klick: hier.
auf dem Weg nach Punta Tombo, zur größten Kolonie der Magellan-Pinguine der Welt

Donnerstag, 4. April 2013

Malvinas Argentinas oder British Falkland?

Blick auf Puerto Madryn
Puerto Madryn, 2. April 2013. Meinen letzten Urlaubstag in Patagonien verbringe ich am Strand: Barfuß und und in meinem dicken Alpaca-Pullover. Ein langer Strandspaziergang führt mich vom Zentrum der Stadt weg in die stille Ferienhaussiedlung. Ab und zu setze ich mich in eine Düne und schaue einfach nur aufs Wasser. Plötzlich spricht ein älterer Mann mich an: "Ist Cristina schon gekommen?" "Wie, Cristina?", sage ich. "Um 12.00 Uhr soll Cristina kommen, ist sie schon da?" Ich sage, ich hätte keine Ahnung. Der Mann geht eilig weiter Richtung Zentrum. Heute ist der Gedenktag für die Gefallenen in dem Krieg um die Falklandinseln oder Malvinas 1982. Der Krieg damals war eine Propagandaaktion, das Land wollte von den inneren Problemen ablenken, ein Nationalbewusstsein heraufbeschwören. 
In Argentinien werden Straßen heute Malvinas Argentinas benannt. Und auf offiziellen Karten sind sie als argentinisches Staatsgebiet verzeichnet.
Cristina kommt also nach Puerto Madryn, um über diese Inselgruppe im Südatlantik zu sprechen. Und ich mache einen Strandspaziergang und versuche meinen letzten Urlaubstag zu genießen. Den Auftritt der Präsidentin habe ich leider verpasst.

Donnerstag, 28. März 2013

Mütterabend und Frohe Ostern!

Am Mittwoch, dem letzten Tag vor dem langen Osterwochenende war in La Paloma die "Reunión de las Madres". Der Elternabend, aber eigentlich eben nur "Mütterabend". Und der "Mütterabend" fand nachmittags statt. Von den 17 Familien sind am Ende, nach einigen Zuspätkommern 11 vertreten. Es ist nicht sehr viel, aber trotzdem sehr gut. 
Zu Beginn sitzen wir alle in einem Kreis und Carlos erzählt etwas zur Arbeitsweise in La Paloma. Die Kinder sollen hier die educación popular erleben. Das ist nicht das Gleiche wie die Bildung in der Schule. In der Schule lerne man mit dem Kopf, aber man müsse auch mit dem Herzen lernen. Dazu machen wir eine Übung, wir drehen uns alle nach rechts und sollen dem Vordermann den Rücken massieren, danach drehen wir uns nach links. Und dann sollen wir den Vordermann vom Vordermann massieren. Und zum Schluss uns auf den Schoß des Hintermannes setzen. Im Kreis sitzen wir da also so, als plötzlich Irena* kommt. Die Mutter eines Jungen aus La Paloma. Als sie die Situation erkennt eilt sie schnell herbei, schiebt sich dazwischen unter lautem Gelächter schaffen wir es, sie zu integrieren. 
Und dann: Vorbei mit dem Spaß, es werden generelle Informationen weitergegeben, die Mütter werden zur Mitarbeit eingeladen. Die educadores erzählen, was sie mit den einzelnen Gruppen vorhaben. Die Mütter geben Anregungen, teilen Sorgen mit.
 Am Ende bekommen alle einen Schokololli, den Gise und ich mit den Angelitos gemacht haben. Wir wünschen uns frohe Ostern und gehen in das 6-Tage-lange Wochenende.
eine Bastelarbeit im salón der Angelitos: "Frohe Ostern"
 
Frohe Ostern wünsche ich Euch!

*einige Namen habe ich aufgrund von Persönlichkeitsrechten geändert

Mittwoch, 27. März 2013

Wahl 2013

Heute, am Montag, den 25. März war es so weit: Die beiden Gruppen aus dem Tageszentrum von La Paloma wählten den Namen für die Gruppe, den diese bis zum Ende des Jahres führen wird. Die Leones und die Diabolitos gibt es nicht mehr. Neue Kinder sind dazu gekommen, andere haben die Gruppe gewechselt, sind älter geworden. Letzte Woche schon haben wir den Kindern erzählt, weswegen der 24. März ein Feiertag ist. Am 24. März 1976 begann durch einen Putsch die Militärdiktatur, in der tausende von Menschen verschwanden - die desaparecidos. Die Kinder sollen lernen wie wichtig es ist, dass sie wählen gehen. Und das sie eine Verantwortung gegenüber diesen Verschwundenen haben. Die Wahlkabine ist der salón, in dem sonst gearbeitet wird, die Urnen stehen im Flur.
Während der merienda wird das Ergebnis verkündet: Die Kleinsten Palomeros nennen sich von nun an: Los Angelitos - die Engelchen.
Links oben: "Frohe Ostern", Links unten: Die Wahlplakate für den Namen der Gruppe: "Die Schlümpfe, die Engelchen und die Violetas (Disneyfigur)", Rechts oben: Eine Anspielung auf die Kopftücher der Mütter auf der Plaza de Mayo und die Friedenstaube


Ein Bild von der diesjährigen marcha zur Plaza de Mayo findest du hier.

Samstag, 23. März 2013

Maniküre

Bis zum Mittagessen ist noch etwas Zeit, wir quatschen mit den Kindern herum. Fragen sie, ob sie Hausaufgaben haben, ob es etwas Neues in der Familie gibt, ob sie irgendetwas erzählen wollen. Es wird gepuzzelt, gemalt oder gespielt. Paula* möchte heute Gisela die Fingernägel lackieren. Die kleine 7-Jährige patscht immer wieder ganz eifrig den Pinsel des lila-Nagellacks auf die rot-lackierten Fingernägel von Gise.
mein stilvoller neuer Look!
Danach bin ich an der Reihe. Wenn Paula* sich die Finger einschmiert, wischt sie das an meiner Jeans ab - Egal, die hat eh schon Löcher, die jeden Tag größer werden. Als sie mit ihrem Werk zufrieden ist, fängt sie an ein Ostereibild auszumalen. Den Nagellack auf meinen Fingernägeln trage ich nun stolz zur Schau. Wie viel Zeit ist doch schon vergangen, seitdem ich Paula* damals zurechtwies und sie mich so gar nicht akzeptierte.

Mittwoch, 20. März 2013

Herbstanfang

Der Sommer ist vorbei, die Kinder gehen wieder zur Schule - wenn nicht gerade Lehrerstreik ist.
"Herzlich Willkommen - Dienstag, 19. März 2013" und eine Illustration des Wetters
Und wir arbeiten mit den Kindern wieder in den salones. Einige der kleinen chikis sind zu der Gruppe der Größeren gewchselt. Und auch für die educadores gibt es eine Veränderung: Gise und Eve haben die Plätze getauscht. Meine letzten 4 1/2 Monate werde ich Gise mit den Kleinen unterstützen. 6 Kinder sind in der Gruppe. Gestern haben wir mit den chikis den Alltag angefangen: Jedes Mal muss eines der Kinder am Anfang des Tages den heutigen Wochentag und das Datum aufschreiben. Und ganz wichtig: wir bereiten die Wahl vor. Die große Wahl der Namen für die Gruppen...

Donnerstag, 14. März 2013

!Somos Pápa - Wir sind Papst!

Eine Seite der 32 Extraseiten der argentinischen Zeitung Clarín
Diese Nachricht erreicht mich kurz nach dem Ende der Reunión am Mittwoch, gerade eben will ich La Paloma verlassen und nach Hause fahren, da sehe ich die SMS auf meinem Handy. Ich kehre auf der Stelle um und erzähle es meinen Kollegen: Der neue Papst heißt Bergoglio und kommt aus Buenos Aires. In etwa übersetzt höre ich nur so etwas wie "Wooooow!" und ich sage, damals als Benedikt XVI gewählt wurde, da gab es in Deutschland die Schlagzeile: Wir sind Papst. Da waren auch alle aus dem Häuschen. Und meine Kollegen entgegnen: "!Si...! Somos Pápa". 
Schon so einiges haben wir gehört, was Francisco anbelangt. Die Einen mögen ihn, weil er bodenständig ist und ihn auch die Villa 31 nicht abschreckt, die Anderen hassen ihn, weil seine Rolle während der Militärdiktatur umstritten ist. Die Nächsten wollen sich nicht so Recht äußern, weil er mit Cristina nie so wirklich auf einer Wellenlänge war. Er kritisiert Korruption und Armut, die während der Amtszeit Cristinas noch gestiegen ist. Aber er hat auch gegen die Legalisierung der Homo-Ehe in Argentinien gekämpft. 
Ich kaufe mir eine Zeitung, um einen besseren Eindruck zu gewinnen, leider gibt es nur noch Clarín. 32 Seiten Extrateil zum Thema Francisco. 
Und schließlich sagen wir uns: Schwierige Sache. Auf jeden Fall gut: die Bodenständigkeit, gut: dass er aus Lateinamerika ist und nicht aus Europa. Gut: dass jetzt vielleicht auch mehr Menschen aus Europa etwas über die Situation Argentiniens erfahren.
Aber sonst? Homosexuelle haben in Argentinien mehr Rechte als in Deutschland, etwas, in welchem das "3. Welt-Land"  Deutschland weit vorraus ist. Und was die Aufarbeitung von Diktaturen betrifft, so sind wir Deutschen heute doch sehr sensibel. Beides Dinge, von denen man sich wünschen würde, der neue Papst hätte eine andere oder eindeutigere Rolle gespielt.
Wir werden abwarten, was passiert: todo tranki.

Mittwoch, 6. März 2013

Schwimmen

die pileta von La Paloma - eine Aufnahme aus dem Winter
Zusammen mit Agustin sitze ich an der pileta und wir schauen den Kindern zu, wie sie kunstvoll ins Wasser springen ("Agus, Cata guckt mal!!!") und wie die kleineren stolz vorführen, wie weit sie es schon ohne fremde Hilfe schaffen, sich durch das kühle Nass zu bewegen. "Soll ich noch einmal machen?" "Klar, wenn du willst, dann mach' noch mal..." Idyllisch und typisch für einen Sommernachmittag in La Paloma. Hinter uns machen einige der jóvenes auf dem patio einen taller de murga
"Unglaublich, wie Facu* begeistert ins Wasser springt," meint Agus plötzlich. "Wieso?" "Als er noch ganz klein war, hat ihn sein Vater einmal einfach ins Wasser geworfen und zur Mutter gesagt, 'seh zu, wie du den da wieder heraus bekommst'. Deswegen hat Facu lange Zeit große Angst vorm Wasser gehabt."


*den Namen habe ich aus perönlichkeitsrechtlichen Gründen geändert 

Donnerstag, 28. Februar 2013

Verzaubert

Die Woche vom Carnaval habe ich in Mendoza verbracht und wurde endgültig verzaubert von Argentinien...wenn du ein paar Eindrücke haben möchtest, klick hier.

Mittwoch, 20. Februar 2013

Auch hier wächst die Nation!

Aquí tambien la nacion crece - diese Schilder findet man im ganzen Land
Es ist mein letzter ganzer Tag in San Rafael, in Mendoza. Morgen Abend werde ich wieder zurück nach Hause fahren. An diesem letzten Tag will ich mit einem Argentinier, den ich hier im Hostel kennen gelernt habe - Diego, zur Laguna del Diamante. Eine Exkursion dahin mit einer Touristenagentur: fast 900 Pesos - und durchgeführt wird sie sowieso nicht - nicht genügend Interessenten. Aber Diego hat ein Auto und so machen wir uns auf eigene Faust auf den Weg. Vorher noch einmal tanken und heißes Wasser in die Thermoskanne für den Mate auffüllen - und ab gehts. Bald sind wir dann - so glauben wir jedenfalls - auf der Ruta 101 nach Norden. Eine Stunde lang fahren wir über diese Schotterpiste mitten durch die Pampa. Ab und zu kommen wir an ein paar Kühen und Pferden vorbei. Am Horizont sehen wir die Anden. Irreal scheint das alles. Wir kommen ans Ende der Ruta, eine Kreuzung im Nichts. Die nächsten kleineren Orte werden ausgeschildert, alle mindestens 60km weg. Und wir stellen fest, wir sind falsch gefahren, nicht in den Norden, sondern in den Süden. Am Horizont kommt ein Unwetter auf und wir entscheiden, dem Auto die Straße zur Laguna doch lieber nicht zuzumuten. Schließlich haben wir keinen 4-Rad-Antrieb. Wir kehren um, wollen durch den Cañon del Atuel und durch das Valle Grande zurück nach San Rafael fahren. Aber vorher fällt mein Blick noch einmal auf das Plakat, das mitten im Nichts steht: Aquí tambien la nación crece. - Auch hier wächst die Nation. Ein kleiner Gruß von Cristina in die Pampa.

Samstag, 16. Februar 2013

Chaos

Abfahrtsbereich der Plataforma 46 von Retiro
Es ist der Freitag vom Karnevalswochenende und ich bin im grossen terminal von Retiro - dem riesigen Busbahnhof von Buenos Aires. Das Terminal ist brechendvoll an diesem langen Wochenende. Ich kann kaum durch die Menge durchkommen - Und um 20.30 Uhr soll mein Micro nach San Rafael abfahren. Es ist 20.20 Uhr und ich habe keine Ahnung an welcher der ueber 60 plataformas der Bus faehrt. Weder der Sicherheitsmensch, der Mann vom Zeitungsstand noch die elektronische Anzeigentafel kann mir weiterhelfen. Der Bus scheint nicht zu existieren. 20.26 Uhr: Das einzige, was mir uebrig bleibt, ist zur Information zu sprinten, die sich ganz am Anfang ds Terminals befindet. Mit meinem 15 Kilo-Rucksack auf dem Ruecken, einem Schlafsack und einem kleineren Rucksack in der Hand, laufe ich los. Der Mann von der Information telefoniert noch seelenruhig mit einem Kollegen, kann mir dann endlich sagen, dass ich zwischen den plataformas 37-51 Ausschau halten muss.Ich sprinte den ganzen Weg wieder zurueck. Auf den elektronischen Anzeigentafeln existiert mein Bus immer noch nicht, als ich um 20.35 Uhr eine Frau entdecke, die den selben Bus sucht. Wir sprechen mit einem Mann von dem Busunternehmen, der uns sagt, dass dieser Bus noch gar nicht angekommen ist. Total verschwitzt und mit hochrotem Kopf beginne ich mich zu entspannen. Also nicht verpasst. Ploetzlich spricht mich jemand von hinten an: Ayelén. Ihr Bus sollte schon um 19.50 Uhr gehen. Es ist bereits 21.00 Uhr. Ayelén spielt das Spiel: "Eine der naechsten 6 Lautsprecherdurchsagen ist mein Bus". Dieses Spiel spielt sie jetzt seit einer Stunde.Wir unterhalten uns ein wenig, bejammern und bemitleiden uns gegenseitig. Um 21.40 Uhr springt Ayelén mit einem Mal aufgeregt in die Luft. Ihr Bus ist da. Eine halbe Stunde spaeter kann auch ich mich in meinen breiten Sitz kuscheln, die Fuesse hochlegen und den Ausblick aufs naechtliche Buenos Aires geniessen. Ab in den Urlaub!

Samstag, 9. Februar 2013

Carnaval in Buenos Aires

Der Sonntag vor dem eigentlichen Karnevalswochenende war meine einzige Moeglichkeit den Carnaval in Buenos Aires kennen zu lernen. Wenigstens ein bisschen. Dafuer fuhr ich nach Flores, einem Stadtteil von Capital. Ich moechte gar nicht lange bleiben, nur eine Weile zuschauen, wie die Porteños die 5. Jahreszeit feiern. Und das tuen sie, wer haette das gedacht, mit Murga. Ich stehe ganz vorne an der Absperrung, es sind nur wenige Leute da. Ganz genau kann ich beobachten, wie die verschiedenen Karnevalsgruppen ihre corsos machen. Trommeln und Tanz, Fahnen werden geschwenkt und es wird geklatscht, doch alles scheint wie die Ruhe vorm Sturm. Denn richig losgehen tut es erst dieses Wochenende, das Wochenende von Carnaval. Doch jetzt bin ich nicht in Buenso Aires, sondern in San Rafael, in Mendoza.

corso in Flores - einem Stadtteil von Buenos Aires

Samstag, 2. Februar 2013

Westerland

Wir, ein paar Freiwillige, sitzen zusammen im Seminarraum in Baradero. Es ist Mittwoch und wir sind seit Montag Mittag in auf unserem Zwischenseminar.
Wir singen Westerland von den Ärzten, mit 2 Gitarren, einer cajon und leichte, fröhliche Wehmut für mich, auch wenn's die Nordsee und nicht die Elbe ist.
Auf dem Seminar machen wir uns Gedanken über das, was war und das, was sein wird, über Erwartungen und Realität, über Armut, über Arbeit mit Kinder und Jugendlichen, mit Senioren und Behinderten. Über die Motivation von uns und die Motivation von den Menschen, mit denen wir arbeiten. 

Tischdekoration vom letzten Abend - zum asado - was sonst?
Besinnlich, interessant, lustig, wir haben viel Spaß. Der letzte Abend ist ein bunter Abend: mit Spielen, Wettkämpfen zwischen den deutschen Freiwilligen und den argentinischen Gruppenleitern, einer Heavy-Metal-Version von Lemon Tree und Wise-Guys-Covers. Wir feiern unsere Halbzeit und das, was noch kommt, wir feiern neue Freundschaften und unser neues Zuhause.

Sonntag, 27. Januar 2013

Halbzeit

Für mich irreal, aber es ist wahr: Die Halbzeit ist herum. Kein schönes Gefühl und ich verfalle etwas in Melancholie. Jetzt gerade fängt erst alles an, sich so wundervoll normal anzufühlen: ein Alltag, so weit es nach 6 Monaten in einem fremden Land eben möglich ist - Doch das fremde Land ist eben immer weniger fremd, fühlt sich immer normaler an, weil die Erinnerung an Deutschland nicht verschwindet, aber verblasst, irgendwo ganz hinten im Kopf gespeichert und abgelegt. Die Realität und das Leben in der Heimat sind hier vor Ort einfach nicht mehr präsent und eben momentan eine Erinnerung. Ein Gefühl der Zugehörigkeit, dass man braucht und zu schätzen lernt, auf das ich aber auch nicht alles bauen kann.

Montag, 21. Januar 2013

Montag, 14. Januar 2013

Ein Kiosk in Belgrano

Ein Kiosk in Buenos Aires - keine seltene Erscheinung
Einen pancho bitte!
Ich stehe vor einem Kiosk in Belgrano und bin auf der Suche nach der Sucre. Die Straße von der IERP. Wenn man einmal den Weg nicht mehr weiß, dann muss man Kioskbesitzer fragen, die wissen immer Bescheid. Aber erst einmal warten bis das Würstchen für den pancho fertig ist.

"Woher kommst du?" Fragt mich der Kioskbesitzer.
"Aus Deutschland."
"Deutschland?"
Und dann beginnt er zu erzählen, er würde ja so gerne mal nach Deutschland reisen, ihm gefalle die deutsche Musik und der Film und der Fußball, die ganze Kultur, die Sprache. Er spricht von Bands, die ich gar nicht kenne. Er erzählt, dass er eigentlich aus Uruguay kommt. Und er sagt: Ich bin Jude, ich könnte einen Ablehnung gegen Deutschland verspüren, aber irgendwie tue ich das nicht, im Gegenteil: Es begeistert mich!
Er erklärt mir dann genau den Weg, wie ich zur Sucre komme und wir verabschieden uns.


Mittwoch, 9. Januar 2013

Dienstag, 8. Januar 2013

¡Feliz año nuevo!

Viel passiert ist in den letzten 2 Wochen und das moechte ich am liebsten auf der Stelle alles in meinem Blog loswerden. Das dachte ich gestern Morgen und wollte gleich loslegen. Das Problem: Der Rooter unter dem Bett meiner Mitbewohnerin zeigt an: "No Signal" - Kein Signal. Tja. Mal wieder ohne Internet, kenne ich ja schon.
Das heisst fuer mich: erst einmal einen Termin mit dem Internetanbieter ausmachen, wann denn mal jemand vorbei kommen kann, um sich die Sache anzusehen...
Und das heisst fuer euch: Darauf hoffen, dass sich fuer mich in La Paloma die Gelegenheit bietet, mal etwas in den Blog zu stellen. Hier ein kleiner Ausblick, auf das, was kommen wird:  Ihr werdet mit mir Montevideo auf dem Fahrrad und Córdoba und ihre "Route 66" (Ruta 66) zu Fuss erkunden. Ich erzaehle euch von Ka, welche die Nacht vom Heiligen Abend mit Tincho (13 Jahre) im Krankenhaus verbrachte und vom Weihnachten auf argentinisch - mit Feuerwerk und Anstossen zu Mitternacht inklusive.
Und das so bald wie moeglich! Versprochen.